






Bis Ende des 18. Jahrhunderts wurde der Warentransport in- und aus dem Bregenzerwald über Saumpfade abgewickelt. Erst ab Anfang des 19.Jahrhunderts sind Wege für den Fuhrwerksverkehr gebaut worden. Weitsichtige Persönlichkeiten betrachteten hingegen eine Bahn als Lebensnerv für die Talschaft. Man erwartete sich „Vorteile für Industrie, Gewerbe und Fremdenverkehr, eine Wertaufstockung der Grundstücke, die Erhöhung des Viehbestandes und bessere Beschäftigungsmöglichkeiten für heimische Arbeitskräfte“. Auch der „verlustreiche Holztransport auf der Bregenzerache sollte ein Ende haben“.
Erste Idee: Drei Jahre vor der Eröffnung der „K. & K. Vorarlbergbahn“ von Lindau bis Bludenz, regte Bezirksförster Johann Koderle aus Bezau den Bau einer Pferdeeisenbahn von Bregenz bis Au an.
Erstes Ansuchen: 1891 ersuchte ein Konsortium das zuständige Ministerium in Wien um die Bewilligung einer Schmalspurahn von Bregenz nach Bezau.
Baubeginn: Am 7. September 1900 stellte der Spatenstich am „Riedener Tunnel“ den Beginn der Bauarbeiten dar. Tausend Arbeiter aus dem Trentino, aus Slowenien, Kroatien und Ungarn waren während der Bauzeit eingesetzt. Weder die Zerstörung der Bauten durch Hochwasser im Achtal (1901) noch der Konkurs der Baufirma (1902) konnte die Bauzeit wesentlich verzögern.

Eröffnung: 15. September 1902
Länge: 35,4 km
Spur: 760 mm
Die Strecke: Von der Vorarlberger Landeshauptstadt Bregenz am Bodensee führte die Trasse durch das Vorortegebiet nach Kennelbach. Dort gelangte die Bahn in das 18 km lange Engtal der Bregenzerache. Der Streckenverlauf war in diesem Bereich wildromantisch, außer der Bahn gab es entlang des Flusses keine andere Verkehrsverbindung. Die hoch oben liegenden Dörfer waren mehre Kilometer von den Bahnstationen entfernt, die teilweise nur über Wanderpfade erreichbar waren. Am Ende des Achtales wurde Egg erreicht. Über Andelsbuch führte die Trasse durch den Bersbucherwald zum Bahnhof Schwarzenberg (dzt. Endstation der Museumsbahn). Über Wiesen und 5 Brücken geht es weiter bis Bezau.
Dampflokomotiven: Zur Eröffnung wurden die neuen Dampfloks U 24 / U 25 / U 26 geliefert. In den späteren Jahren kamen weitere Baureihen dazu. Beide Weltkriege erforderten die Abgabe von Dampflokomotiven, die zum Teil als Kriegsverlust verloren gegangen sind.

Die U 25 im Auslieferungszustand der Lokfabrik
Verlängerung: Von 1910 bis 1914 ist an der Verlängerung der Bahn bis Schoppernau geplant worden. Durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges kam das Projekt nicht mehr zur Ausführung.
Bilderbogen der Bregenzerwaldbahn von 1902 bis 11. Jänner 1965
Erster Einstellungsantrag: 1936 wurde wegen Unrentabilität ein Einstellungsantrag eingereicht.
Diesellokomotiven: 1937 lösten neue Diesellokomotiven der Reihe 2041/s (heutige Bezeichnung 2091) die Dampflokmotiven allmählich ab. Im 2. Weltkrieg wurden diese an Bahnhöfen im Bregenzerachtal versteckt und nach Kriegsende wieder reaktiviert. Zum Bestand gehörte auch eine Verschublokomotive der Reihe 2092. Von 1960 bis 1980 bewältigten 4 neue Diesellokomtiven der Reihe 2095 mit Unterstützung der Verschublok den Bahnbetrieb.
Bummelzüge: Von 1974 bis 1980 verkehrten in den Sommermonaten Dampfbummelzüge der EUROVAPOR (Sektion Zürich) mit großem Erfolg von Bregenz nach Bezau. Die zwei eingesetzten Dampflokomotiven stammten aus Privatbesitz.

Bilderbogen der Bregenzerwaldbahn von 1970 bis 1980
Felssturz: Besonders in der 18 km langen „Achschlucht“ zwischen Egg und Kennelbach, hatte das „Wälderbähnle“ zeitlebens mit den Naturgewalten zu kämpfen. Am 14. Juli löste sich bei km 7,1 (Kennelbach) ein riesiger Felsen und verlegte das Gleis mit mehreren 1.000 m³ Gestein. Nach der im April nötigen Streckensperre wegen unterspülter Widerlager an der Rotachbrücke war das nun das zweite Elementarereignis innerhalb weniger Monate. Geologen bezifferten die Sanierungskosten mit dreistelligen Millionenbeträgen (in Schilling). Weil die Aufräumungsarbeiten auch Wochen später noch durch Steinschläge gefährdet wurden, sind sie dann endgültig abgebrochen worden. So verkehrte die in Bezau „eingesperrte“ Zuggarnitur im Pendelbetrieb nach Egg, von wo ein Schienenersatzverkehr mit Bahnbus nach Kennelbach eingerichtet war. Dort musste für die kurze Strecke nach Bregenz (10 Min. Fahrzeit) wieder in den Zug umgestiegen werden.
Den Anschein von größter Dringlichkeit hatte dann die nächste Streckensperre am 20. Oktober 1980, als der Abschnitt von Bezau nach Egg wegen herbei geredeter geologischer Gefahren im Bersbucherwald am Vormittag eingestellt wurde.

Alle noch im Bregenzerwald befindlichen Fahrzeuge mussten auf der Straße nach Kennelbach bzw. Vorkloster gebracht werden. Dort begann schon bald deren Abtransport zu anderen ÖBB-Schmalspurbahnen in Österreich.